Eitelkeiten

Irgendwann kommt beim Zusammenbau dann der Moment, wo man eigentlich alles beinander hat, es passt sogar und trotzdem denkt man sich – NEIN.

Nein, das geht so nicht, es gefällt mir nicht. Hier haben es Menschen, die nur ein Fahrzeug restaurieren einfacher, so sie dem Original folgen, die Teile noch verfügbar und deren Zustand in Ordnung sind, wenn man aber ein Fahrzeug nach eigenem Gusto aufbaut – auf neudeutsch customized – dann kann es eben passieren, das man vom Plan abweichen muss. Und so war es auch hier.

Dienstags mal alles rund um die Gabel montiert. Der kleine Scheinwerfer im Bates-Style mit der blauen Fernlichtkontrolle ist ein Traum, klein, zierlich und der Designvorlage nachempfunden (ja, es gibt eine Designvorlage, macht Vieles einfacher), aber das gewählte Kombiinstrument (Drehzahlmesser analog, Geschwindigkeit und Kilometerstand digital sowie die notwendigen Warnleuchten als Lampen) mit 86mm Durchmesser und etwas ausladendem Halter verdeckte den freien Blick darauf.

Das Zündschloß hätte zwar noch Platz an angestammter Stelle, aber dann ist der Anblick endgültig überladen und der puristische Look dahin.

Nein, das muss anders gehen.

An der W N C sitzt ein zugegebenermassen unanständig teures Kombiinstrument der deutschen Firma Motogadget. Die Qualität sucht Seinesgleichen, diese Komponenten sind einfach traumhaft schön. Diese Firma produziert auch einen wunderbar kleinen Tacho namens Tiny, welcher auch gleich die Kontrollleuchten beinhalten und die notwendige ABE, welche Matthias eine problemlose Abnahme der SR ermöglichen sollte.

Tja, nach einem Tag des Grübelns und einer schlaflosen Nacht dann die Entscheidung: Ein Tiny muss her. Ja, ist unanständig teuer, ja, von Tumbleton&Twist gibt es ebenfalls ein 49mm Instrument, aber wiederrum „for racetrack only“ und Motogadget ist halt einfach ein bissl edler. Also was solls – gekauft und hier ist das gute Stück:

Leider geil…

Big steps forward

Die Anfertigung von Kleinteilen ist zeitaufwändig – aber Martin sei dank – eine endend wollende Tätigkeit. Die ausgewählten Stoßdämpfer der Harley Sportster passen nahezu perfekt, aber die unteren Befestigungsaugen sind deutlich breiter. Flach schleifen wollen wir sie nicht, also mussten spezielle Befestigungen her. Edelstahlschrauben M14 als Basis erwiesen sich als tauglich, kürzen und eine Kernbohrung sowie ein M10x1,25 Innengewinde später ergaben diese Teile formidable Befestigungen, welche auch optisch was hermachen.

Kleines Teil mit großer Wirkung und Funktion. An einem der oberen Gefestigungsgewinde musste ebenso eine Reparatur durchgeführt werden – das alte Gewinde abflexen, den verbleibenden Stumpf planen, eine Bohrschablone auf der Drehbank anfertigen (wie konnten wir überhaupt leben ohne Martins neue Drehbank? Best invest ever!), den von KEDO bezogenen Reparaturgewindestift eingeklebt und wieder was erledigt.

Anschließend die nächsten bestellten Teile an die Baustelle geschraubt: Halter für den Scheinwerfer:

Die Position des Drehzahlmessers ist hmmm noch optimierbar, da bin ich noch nicht zufrieden. Das Zündschloß hat ebenso kaum Platz an der Gabelbrücke und wird weichen müssen für die gewünschte puristische Optik. An Rückspiegel und Blinker mag ich noch gar nicht denken…

Weiters wurde Batteriebox, Airbox, CDI, Laderegler, Seitendeckelschloß uvm. montiert, das Hinterrad eingebaut, die Kette gespannt, der gepulverte Kettenschutz (ein nicht ganz schlankes Originalteil – aber ich möchte Probleme bei der Abnahme vermeiden), die Federbeine, die Drehmomentstütze für die hintere Trommelbremse und die Bremsbetätigung montiert. Diese Ecke hat mich auch beim Aufbau meiner W N C geärgert und hier war es wieder so. Yamaha hat hier über die Jahre mehrere Varianten verbaut, welche untereinander nicht wirklich kompatibel sind. Diesmal hatte ich Glück und nicht die ultraseltene Lösung einer ganz frühen 78er 2J4, sondern eben eine geläufige 86er 48T. Trotzdem – ohne angefertigte Teile wäre es auch hier nicht gegangen, Schuld daran war wie so oft die Tatsache, das hier nicht aus einem kompletten Motorrad ein restauriertes Objekt entstehen sollte, sondern aus einem Teilelager, welches nie vollständig ist.

Aber man kann scih schon was vorstellen.

Ja – gefällt. Zum Schluß des gelungenen Abends dann noch den Kabelbaum mal drangehängt und festgestellt, dass auf den ersten Blick mal nichts fehlt. Neu bewickelt wird er trotzdem – im Moment ist er einfach nur dem Motorrad unwürdig und wurde deshalb auch nicht fotografisch festgehalten.

Kleinteile bestellen

Wer jemals ein Fahrzeug restauriert hat, kennt das Problem: Beim Zusammenbau fehlen Kleinteile. Ob kleine Gummimuffen zur Schwingungsdämpfung, spezielle Schrauben, Blechwinkel… und auch so manche anderes Teilchen findet sich nicht (mehr) in den zahlreichen Teilekisten. Und der neue Kupplungs- und Dekozug sind gute 10cm zu kurz, warum auch immer.

Bei der SR fehlte dann noch eine Motorabdeckung, welche das Kettenritzel abdecken soll – einfach nicht zu finden das Ding.

Und ein Schloßsatz (also Zündschloß, Tankschloss, Seitendeckel und eventuell Helmschloß) sind natürlich auch nicht da. Ja, EINZELTEILE sehr wohl, aber nichts Ganzes. Und einen Schlüsselbund mit 4 verschiedenen Schlüsseln für 4 Schlösser möchte ich ungern dazugeben, sieht nicht schön aus.

Ergo TEILE BESTELLEN. KEDO ist immer eine gute Adresse, aber da dort alles schöne, glänzende Neuteile sind, nicht immer billig (preiswert dennoch!), braucht man auch eine Alternative. Ebay und einen der dort handelnden Teilehändler, welche ihr Dasein im Zerlegen von eigentlich noch fahrtüchtigen Motorrädern und dem Verkauf der Einzelteile fristen. Nun ja, ICH könnte das nicht, aber ohne deren Geschäftsmodell täten Leute wie ich sich mit ihrem Hobby viel schwerer.

Also, ein Kleinteilekonvolut mit dringend benötigtem Zeugs sowie ein Schloßsatz und die fehlende Ritzelabdeckung mit leichtem Nachverhandeln erstanden, bei KEDO dann viele weitere Kleinteile (das Paket wird winzig sein…) bestellt, kommt hoffentlich bald, soll ja weitergehen.

Abends dann die Schachtel mit dem Vergaser gesucht und – ahhhhh – eine Ritzelabdeckung gefunden. Uaaaah… wenn mein Alztheimer so voranschreitet, hab ich demnächst wieder ein Motorrad in Teilen im Haus verstreut deponiert.

Hoooo hop – rein mit dem Motor

Endlich fügt sich, was zusammen gehört: Der frisch revidierte Motor darf in dem ebenso frisch gepulverten Rahmen Platz nehmen. Dank der optimalen Arbeitshöhe alleine kein Problem den 46kg Brocken da sauber reinzuheben, hätte ich mir schwieriger vorgestellt.

Wirklich ein Schmuckstück

Zuerst noch den Kickindikator saubermachen, dann in den Weiten der Werkstatt ein Dichtmittel suchen, den Ventildeckel abnehmen, saubermachen, Kickindikator und Deckel sauber eindichten und zusammenbauen, alles mit Drehmoment verschrauben – Kleinigkeiten die dauern, aber dann rein mit dem kleinen Kraftprotz:

Und weil es heute so toll klappt, auch noch gleich die Bremse dran:

Zum supersauberen Entlüften hat mir dann die Muße gefehlt, der Druckpunkt geht noch besser.

Wichtigstes Hilfsmittel in der Phase ist dann der Schreibblock zum Notieren der Fehlteile. Immer wieder erstaunlich, was an Kleinzeugs noch alles zu besorgen ist und was das Kleinzeugs an Geld verschlingt.

Umsiedelung

So, heute war es soweit – die Baustelle namens SR ist in Martins Werkstatt gesiedelt. Grund: hier gibt es eine schöne Motorradbühne UND eine zusammengebaute SR bekomme ich ohnedies niemals aus meinem Keller je wieder raus.

Ergo haben SR und ich bei Martin Asyl bekommen.

Kleines Kuriosum am Rande:

Auf den an sich nicht ganz billigen Continentalreifen gibt es ja so viel zu lesen…

🙂

Endlich

So, nächste Woche ist es soweit, die SR-Baustelle darf endlich in Martins Werkstatt umziehen. Sehr schön.

Erste Bauteile (Fussrastenanlage) hab ich gleich mal mitgebracht, sauber gemacht und mit Zinkspray und glänzendem Schwarz schön gemacht.

Letzte Fehlteile – vorerst

Irgendwann, wenn man Zeit hat und nicht alles sofort haben muss, bekommt man sogar so begehrte Teile wie die Fussrastenanlage und eine hintere Steckachse für schmales Geld. Die SR für Hias war zwar als kostenbewusstes Projekt geplant, aber „low Budget“ ist hier nichts mehr inzwischen – zu gut soll sie werden.

Nur kleine Fortschritte

braucht zwar auch Zeit, macht aber nicht viel her:

Kleinteile reinigen, lackieren bzw. pulvern (lassen), Bremszange überholen, Teile sortieren, Stückliste überarbeiten und feststellen, was noch fehlt.

Leider zum Beispiel die Fussrastenträger – welche gar nicht mal so günstig zu bekommen sind 🙁

Der Tank ist zurück

Wie immer, ist auch diesmal auf Erwin, den Mann mit der hundertjährigen Lackiererfahrung, voll Verlass. Er versprach, vor Weihnachten und so war es auch. Am 22. bekam ich den Tank. Freundschaftspreis dazu auch noch.

Bin vom Ergebnis sehr begeistert, leider wird die Kombination von Leuchtstoffröhre und Handyfoto mit automatischem Weißabgleich der Farbe nicht gerecht.

Ab jetzt nur noch mit Gummi

Endlich – die Reifen sind da!

Ich finde, der Conti TKC80 passt optisch hervorragend zum Konzept eines Scramblers, der vorwiegend auf der Straße gefahren werden soll. Zudem verspricht das Profil guten Grip und eine hohe Laufleistung – so schreiben es auch diverse Foren. Okay, es gibt billigere Reifen…

Blöd ist nur, wenn man beim provisorischen Montieren draufkommt, das die bereits gekaufte Hinterachse definitiv nicht zu einer SR gehört 🙁